Katholische Grundschule Petersdorf
Hauptstraße 16 – 26219 Petersdorf
Telefon: 04494 / 1336 E-Mail: gs.petersdorf@gmx.de
___________________________________________________________________

Betreuungskonzept der Katholischen Grundschule Petersdorf

In Abstimmung mit dem Schulträger wurde die Katholische Grundschule Petersdorf zum Schuljahresbeginn 2001/02 vorzeitig Verlässliche Grundschule. Die Betreuung der Schülerinnen und Schüler sollte nach Vorstellung der Schule und der Pädagogischen Mitarbeiterinnen ein grundlegendes pädagogisches Konzept haben. Eine Pädagogische Mitarbeiterin ist Erzieherin mit Montessori -Diplom. Aus diesem Grund wurde ein Konzept erarbeitet, das an die Grundgedanken der Reformpädagogin Maria Montessori anknüpft. Die Dokumentation begann im Sommer 2001.

Die Kinder der Klassen eins und zwei werden täglich zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr von zwei Pädagogischen Mitarbeiterinnen in offenen Gruppen betreut. Den Schwerpunkt bildet die Freiarbeit in Anlehnung an die Montessori-Pädagogik.

1. Bauliche Gegebenheiten

Die Räumlichkeiten befinden sich in einem eigenen „Betreuungshaus“. Zwei unterschiedlich große Gruppenräume, ein Ruheraum, eine Küche, die täglich auch als Ausweichraum genutzt wird, der Flur, der ebenfalls als Freiarbeits-Raum dient und der Eingangsbereich stehen den Kindern zur Verfügung. Nebenräume wie Toilette, Waschraum und Abstellraum werden funktional genutzt.

1.1. Gruppenraum I (großer Raum)

Dieser Raum ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt:
Mal- und Bastelecke
Bauecke
Rollenspielecke
Legoecke
Große und kleine Tische für Gruppen-, Gesellschafts- und Einzelspiele

1. 2. Gruppenraum II (Sonnenzimmer)

Es gibt Möglichkeiten für Gesellschafts- und Gruppenspiele in Einzel- oder Partnerarbeit oder für gezielte Förderung einzelner Kinder oder Kleingruppen.

 

1.3. Ruheraum

Dieser Raum, als Ort des Rückzuges und der Ruhe, ist mit Teppichboden ausgelegt. Er ist mit einer Hängeschaukel und ausklappbaren Schaumstoff-
elementen ausgestattet, die zu einer Bewegungslandschaft umgebaut werden können. Reichhaltige Legematerialien nach dem Konzept der Religionspädagogischen Praxis (RPP), die Anregungen zu einer ganzheitlichen, sinnorientierten Pädagogik geben, stehen den Kindern zur Verfügung. Sie werden von ihnen selbstständig, selbsttätig und kreativ genutzt. Die Kinder legen und gestalten damit Bodenbilder u. a. von biblischen Geschichten, die sie im Unterricht oder im Gottesdienst gehört und bearbeitet haben. Auf diese Art und Weise verinnerlichen sie das Gelernte und machen es für sich erfahrbar.

1.4. Küche

Die Küche hat eine Küchenzeile mit Küchenzubehör und einen Essbereich. Sie wird für hauswirtschaftliche Übungen, gelegentliches gemeinsames Essen und als Ausweichraum genutzt. Der große aufrollbare Teppich bietet u. a. den „Legokindern“ vielseitige Konstruktionsmöglichkeiten. Zusätzlich wird dieser freie Raum als „Bühne“ für Rollenspiele oder auch als Rückzugsmöglichkeit genutzt.

1.5. Flur

Die große Maltafel, zwei Hüpfteppiche, ein Tisch für Einzel- oder Partnerarbeit und die Bücherecke stehen zur freien Verfügung.

1.6. Eingangsbereich

Im Eingangsbereich befinden sich Schuhregale mit Hausschuhen und Garderobenhaken für die Jacken. Die Kinder tragen in der Schule und im Betreuungshaus Hausschuhe.

2. Pädagogisches Konzept

2.1. Grundsätze der Montessori-Pädagogik

Das pädagogische Konzept der Betreuungsgruppen basiert auf den Grundlagen der Montessori – Pädagogik (Erziehung zur Selbstständigkeit, Freiarbeit, Sinnesschulung, mathematische und sprachliche Erziehung). Maria Montessori entwickelte eine Pädagogik, die von der Achtung vor jedem Kind getragen wird. Sie setzte sich für eine Schule ein, in der die Kinder nicht im Gleichschritt, sondern nach eigenem Rhythmus, aber trotzdem miteinander leben und lernen können. Einer ihrer Leitsätze ist: „Hilf mir, es selbst zu tun!“. Sie ermöglichte Kindern, eigene Erfahrungen zu machen und damit das entdeckende Lernen. Die Montessori-Pädagogik ist ein denkbarer Weg, Kinder das Lernen zu lehren und in ihnen die Freude am Lernen zu erhalten bzw. wieder zu erwecken.
Das Montessori - Material ist integraler Bestandteil einer pädagogisch „vor-
bereiteten Umgebung“. Es regt das Kind an, durch Selbsttätigkeit seine Persönlichkeit gemäß seinen Entwicklungsgesetzen zu entfalten. Das Montessori – Material entspricht in seiner Klarheit, Strukturiertheit und Sachlogik den sensiblen Entwicklungsphasen des Kindes. Diese sensiblen Phasen für bestimmte Tätigkeiten, Fähigkeiten, Haltungen und Einstellungen können mit Hilfe des Materials optimal genutzt werden. Das Material ist hierbei eine wesentliche Hilfe zur Ordnung der absorbierten Umwelt des Kindes, dadurch bekommt es seine didaktische Funktion.

„In der von Montessori geforderten „vorbereiteten Umgebung“ kann das Kind alle körperlichen und geistigen Funktionen üben, seine leibseelische Ganzheit erfahren und sich allseitig entwickeln. Mittels der äußeren Ordnung der „vorbereiteten Umgebung“ ist das Kind imstande, seine bisherigen Erfahrungen zu ordnen und sie zu einem ganzheitlichen System zu verknüpfen. Wahre Bildung besteht nämlich nicht darin, isolierte Kenntnisse nebeneinander stehen zu lassen, sondern die Erfahrungen zu einer gegliederten Ganzheit zu verbinden. Das eigentliche Wesen des Verstandes ist es, Ordnung zu schaffen. Das geschieht durch Vergleichen, Unterscheiden, Paaren, Kontrastieren, Graduieren, eben durch Ordnen. So werden Zusammenhänge einsichtig, Abhängigkeiten deutlich, Gegensätze erkannt, Folgerungen gezogen, Haltungen vermittelt. Sensorische und motorische Erfahrungen vielfältiger Art sind gleichsam „Fleisch gewordene“ Erkenntnisse. Sie sind unabdingbare Voraussetzung und Begleitung der verbalen Begriffsbildung: „Nichts ist im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war“ ... . Das Kategorisieren, Klassifizieren und Strukturieren fördert die kognitive Entwicklung des Kindes. ....
Durch den selbsttätigen Umgang mit dem Material entwickelt das Kind verschiedene Arbeitsweisen. Es lernt dabei, sich Ziele zu setzen und die entsprechenden Wege (zu deren Erlangung, d. Verf.) zu finden. Das Montessori-Material entspricht der Spontaneität und dem unersättlichem Bewegungsdrang des Kindes. Auf didaktische Ziele gerichtet, beeinflusst die Motorik die gesamte Entwicklung im emotionalen, kognitiven, sprachlichen und sozialen Bereich.“
Das gesamte Montessori-Material hat starken Aufforderungscharakter, es ermöglicht dem Kind, die „Polarisation der Aufmerksamkeit“ und fördert zunehmend die Unabhängigkeit vom Erwachsenen. Es enthält in sich die Möglichkeit der Fehler- bzw. der Erfolgskontrolle durch das Kind, was die Erziehung zur Sachlichkeit und Genauigkeit fördert.

2.2. Vorbereitete Umgebung

Eine vorbereitete Umgebung ist nach Montessori der „Schlüssel zur Welt“. Ein Kind muss eine Umgebung vorfinden, deren anregender Charakter es ihm erlaubt, seine Fähigkeiten zu entfalten und zu gestalten. Montessori legt dabei bestimmte Prinzipien zugrunde.

2.2.1. Kontinuität

Jedem Kind müssen kontinuierliche Erfahrungsmöglichkeiten gegeben werden. Ein Kind, das in den ersten Lebensjahren Grunderfahrungen in Bezug auf Ordnung gemacht hat, wird durch eindeutig definierte Ordnungsstrukturen ein eigenes Ordnungsbewusstsein aufbauen und differenzieren können. Im Schulsystem werden dem Kind strukturelle Anforderungen zugänglicher oder verständlicher werden, um seinen eigenen Platz für die Zukunft definieren zu können.

2.2.2. Progressivität

Alle Angebote der vorbereiteten Umgebung müssen dem jeweiligen Entwicklungsstand entsprechen. Sie müssen die Neigungen und Interessen des Kindes ansprechen, es herausfordern und auf diese Art und Weise weiterführende Lernprozesse auslösen. Die Pädagogischen Mitarbeiterinnen müssen die Kinder gut beobachten und die Umgebung entsprechend vorbereiten, damit die Kinder nicht in ihrem Lernfluss unterbrochen werden.

2.2.3. Einfachheit

Einfachheit und klare Gliederung des Raumes und Erreichbarkeit der Angebote sollen zu selbstständiger Tätigkeit anregen.

2.2.4. Aufforderungscharakter

Nach Montessori sprechen alle Materialien durch Platzierung im Raum, durch Formgebung und Farbe, durch Schlichtheit und Überschaubarkeit das Kind an. Sie haben hohen Aufforderungscharakter.

2.2.5. Proportionalität

Die vorbereitete Umgebung nimmt Maß am kleinsten und schwächsten Kind, nichts darf zu schwer, zu groß oder zu unerreichbar sein. Auch das wissbegierige Kind muss genügend Material und Impulse zur Weiterentwicklung entdecken, um gemäß seiner Entwicklung Anregungen zu finden.

2.3. Betreuungszeit

Die Betreuungskinder der Katholischen Grundschule Petersdorf verbringen die Betreuungszeit in 2 Gruppen. Eingeteilt werden sie zunächst nach der Klassenstufe. Diese Organisationsform lässt nach Anlass oder Bedürfnis der Kinder große Flexibilität zu. Zu Beginn werden alle Kinder im Eingangsbereich von den päd. Mitarbeiterinnen begrüßt. Hier findet als Ausdruck des positiven Autoritätsverhältnisses eine erste, freudige Kontaktaufnahme statt. Danach haben die Kinder die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Freiarbeit sie wählen. Alle gehen an ihre Arbeit. Diese Arbeitsphase wird mit dem Aufräumen abgeschlossen. Die Betreuungszeit endet mit einem Abschlussritual, einem Singspiel, Lied, Sprechspiel etc. Die Verabschiedung aller Kinder erfolgt wieder im Eingangsbereich.

Ausgehend von den Prinzipien Montessoris, „ Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“ gibt es im Betreuungshaus der Katholischen Grundschule Petersdorf eine vorbereitete Umgebung mit verschiedenen Möglichkeiten des Begreifens. Montessori sagt auch, dass Dinge, die das Kind „begriffen“ hat, d.h. angefasst, ertastet, gesehen oder erspürt hat, erst kognitiv erfasst und abstrahiert werden können – vom Er-greifen zum Be-greifen!

Beispiel:
Mit den geometrischen Körpern können die Kinder durch das Begreifen und Anfassen lernen, Körper voneinander und Körper von Flächen zu unterscheiden. Sie lernen die unterschiedlichen Eigenschaften der Körper und der Flächen kennen. Durch die Dreistufenlektion lernen die Kinder die Namen der Körper kennen, z.B. Ellipsoid.

Die Erzieherin stellt jedem Kind das Material, mit dem es arbeitet, vor. Bei dieser Einführung lernt das Kind das Material selbst und den Umgang damit kennen. Die Erzieherin zeigt langsam und deutlich, wie mit dem Material gearbeitet wird, dabei wird möglichst wenig gesprochen. Die nötigen Erklärungen gibt man anhand der „Drei-Stufen-Lektion“. Das Kind konzentriert sich auf den Bewegungsablauf und die Arbeitshandlung, die in Teilschritten analysiert wird.

Die Dreistufenlektion lautet:

Das ist ein Ellipsoid. – Benennen
Gib mir das Ellipsoid. – Wieder erkennen
Was ist das? – Identifizieren

Eine gute Lektion im rechten Augenblick erschließt dem Kind neue Dimensionen.

Nach vier Unterrichtsstunden kann das Kind in der Betreuungszeit die freie Wahl der Arbeitsmaterialien und die Entscheidung über die Sozialform selbst treffen. Bei Interessenskollision ist Einigung und Bedürfnisrückstellung erforderlich, da alle Montessori-Materialien ganz bewusst nur ein Mal vorhanden sind. Der soziale Lernprozess beginnt schon im Eingangsbereich.

Bereits zu Beginn der Betreuungszeit haben fast alle Kinder klare Vorstellungen, mit welchen Materialien sie arbeiten wollen. Einige Kinder haben bereits überlegt, dass die Arbeit in der Rollenspielecke, beispielsweise der „Bücherei“ mit den selbst gefertigten Ausleihkarten fortgesetzt werden soll. Andere Kinder bevorzugen den Ruheraum, etc.
Die Kinder regeln untereinander die Reihenfolge und kennzeichnen durch optische Signale z.B. eine Ampelkarte, ob der Arbeitsbereich „frei oder besetzt“ ist. Namenskärtchen des jeweiligen Kindes zeigen an, dass die Arbeit am nächsten Tag fortgesetzt werden soll. Respekt vor der Entscheidung und Wertschätzung vor der Arbeit des anderen sollen geübt und erweitert werden.
In der Rollenspielecke, in der Bauecke und im Ruheraum regeln die Kinder selbstständig durch den Einsatz des optischen Signals die Verweildauer.
Bei entstehender Unruhe haben die Kinder selbst die Möglichkeit, durch den Einsatz des „Klangwunders“ oder der „Glocke“ zum Innehalten, zum ruhig werden und zum leise Weiterarbeiten aufzufordern. Mit der Sanduhr sorgen sie für Stille und beenden die Arbeit. In der Betreuung finden die Kinder Regeln und Rituale, die sie aus dem schulischen Bereich auch kennen. Durch regelmäßigen Austausch und feste Absprachen mit und zwischen den Lehrkräften und den päd. Mitarbeiterinnen entsteht ein Netzwerk, das die Arbeit bereichert und erleichtert.

Das „Sonnenzimmer“ und der „große Raum“ werden im Wechsel genutzt. Den Kindern des „Sonnenzimmers“ sind der Flur, die Küche und der Ruheraum als Erweiterung vorbehalten. Das „Sonnenzimmer“ allein bietet auf Grund seiner Größe nicht genügend Handlungs-, Frei- und Entwicklungsraum für die Anzahl der Kinder.

Die Räume des Betreuungshauses werden in jedem Schuljahr neu, je nach Stundenplan und Anzahl der Anmeldungen eingeteilt und aufeinander abgestimmt. Die Küche und das „Sonnenzimmer“ müssen an einigen Vormittagen gleichzeitig auch für Fachunterricht, Arbeitsgemeinschaften und Förderunterricht genutzt werden.

Besondere Attraktivität genießt der „Ruheraum“. Die Kinder haben die Möglichkeit, sich zu zweit dorthin in Ruhe zurückzuziehen. Sie können in der Hängematte schaukeln, Musik hören, lesen, mit den Schaumstoffelementen eine Bewegungslandschaft gestalten oder mit dem Legematerial arbeiten.
Bei besonderen Anlässen wird dieser Raum von allen Kindern einer Gruppe gemeinsam genutzt, z. B. bei Geburtstagsfeiern, Gesprächsrunden oder kreativen Vorführungen der Kinder.

2.4. Montessori – Material

In der vorbereiteten Umgebung nimmt das Montessori – Material eine herausragende Stellung ein. Dieses Material wird auch didaktisches Material genannt, ist aber nur ein Wegbegleiter des Kindes im Prozess seiner Selbst- und Persönlichkeitsbildung.

Für das Montessori – Material gelten folgende Kriterien:
2.4.1. Isolation der Schwierigkeit

Das Material darf nur ein Problem herausfordern. Wird z. B. das Thema Farbe angesprochen, darf es nicht gleichzeitig auch um die Form oder ein anderes Problem gehen, z.B. Farbtäfelchen. Überfülle überfordert die Kinder.

2.4.2. Mengenmäßige Begrenzung

Das Material muss für das Kind immer handhabbar und überschaubar sein.
Jedes Montessori-Material ist grundsätzlich nur ein Mal vorhanden. Soziale Prozesse werden so in Gang gesetzt, wie z. B. Absprachen treffen, Geduld üben, Bedürfnisse zurückstellen, Frustrationstoleranz erwerben und entwickeln.

2.4.3. Autonomer Charakter

Jedes Material verfolgt sein eigenes Ziel, hat eigene Gesetze, vermittelt spezifische Erfahrungen und Erkenntnisse, z.B. Farbige Zylinder.

2.4.4. Aufforderungscharakter

Einfache und schlichte Formen fordern mit ihrer Klarheit zur Erprobung auf,
z. B. Einsatzzylinder

2.4.5. Ästhetische Qualität

Qualitätskriterien wie Haltbarkeit und Ästhetik sind für alle Holzprodukte besonders wichtig, z. B. Geometrische Körper.

2.4.6. Immanente Fehlerkontrolle / Erfolgskontrolle

Jedes Kind möchte seine Fehler selbst korrigieren, damit die Freude am Lernen weitergeht und es lernt, nach neuen Lösungen zu suchen, z. B. Hunderterbrett.

2.4.7. Funktionalität

Alle Materialien lassen ihre didaktische Bedeutung direkt erkennen, z. B. Geräuschdose.

2.4.8. Ganzheitlichkeit

Beim Umgang mit diesem Material werden immer verschiedene Sinne angesprochen. Ein ganzheitlicher und komplexer Prozess wird angeregt, z. B. alle Sinnesmaterialien; sie sind aufeinander aufgebaut und abgestimmt.

2.4.9. Kreuzpunktfunktion

Viele Materialien bauen in verschiedenen Dimensionen aufeinander auf. Beispielsweise verbinden sich mathematische Materialien mit Übungen des täglichen Lebens. Es ergeben sich für das Kind viele „Aha-Erlebnisse“, z. B.
das Wassergießen

2.4.10. Schlüsselfunktion

Das Material will „Schlüssel zur Welt“ sein. Es verliert für das Kind an Reiz, wenn es sich von ihm lösen und in seiner Lebenswirklichkeit einen Transfer vollziehen kann. Es geht zur nächsten Entwicklungsstufe über, ist frei für neue Erkenntnisse.

Bei allen Materialien von Montessori finden sich die o. g. Kriterien.

2.5. Gliederungsbereiche des Montessori-Materials:

2.5.1. Übungen des täglichen Lebens

Die Übungen des täglichen Lebens versetzen das Kind in die Lage, über Nachahmung ein Gefühl der Sicherheit und Unabhängigkeit zu erlangen. Dieses Gefühl stärkt das kindliche Selbstvertrauen. Beispiele für diese Übungen sind:
Wassergießen
Rahmen mit Verschlüssen
Sortierübungen

2.5.2. Sinnesmaterial

Das Sinnesmaterial ist so aufgebaut, dass die verschiedenen Sinne isoliert geschult werden können. Dies geschieht im Bezug auf taktile Reize, Geschmacksqualitäten, Gerüche, Ausdehnungen, Geräusche, Töne, Gewichte, Farben und Formen. Das Kind nimmt die Sinneseindrücke bewusst wahr, es lernt sie zu beherrschen und anzuwenden.

2.5.3. Mathematisches Material

Dieses Material schließt sich dem Sinnesmaterial an. Montessori sieht die mathematische Bildung ganzheitlich. Die Einheit der Mathematik wird so greifbar und be-griffen. Beispiel: Die geometrischen Körper bieten eine indirekte Einführung in die Geometrie.

2.5.4. Sprachliches Material

Die Sprache ist das faszinierendste Kommunikationsmittel. Das Kind absorbiert das Sprachmuster seiner Umgebung – sie bildet gleichsam die „vorbereitete Umgebung“ im Hinblick auf Sprache. Mit Hilfe verschiedener Sprach- und Fragespiele lernt das Kind, seine Gedanken zu ordnen und seine Antworten in logischer Weise zu formulieren. Denken und Sprechen stehen in dialektischem Verhältnis. Die zahlreichen Variationen des Sinnesmaterials bieten für die Sprachentwicklung /-förderung vielfältige Möglichkeiten. Zu nennen sind hier die Sandpapierbuchstaben und das bewegliche Alphabet.

Nach Montessori ist diese Auflistung die klassische Unterteilung. In der Praxis lässt sich diese strenge Unterteilung nicht einhalten, da alle Materialien - wie schon erwähnt - aufeinander aufbauen und ineinander greifen.
Die Katholische Grundschule Petersdorf legt bei der Anschaffung der Materialien wert darauf, dass die Kriterien nach Montessori weitgehend erfüllt sind. Es wurden nicht nur Originalmaterialien gekauft. Lehr- und Lernmittelverlage haben bereits qualitativ hochwertige, aber preiswerte Alternativen im Angebot.

3. Die Rolle des Pädagogen

Die Person des Pädagogen stellt nach Montessori ein Novum dar. Er muss passiv sein. „Wir meinen den Lehrer, der erst dann zufrieden ist, wenn er sieht, wie das Kind ganz aus sich heraus handelt und Fortschritte macht...... „

Der Pädagoge bekommt eine neue Aufgabe, er wird nach Montessori Mittler zwischen Material und Kind, Helfer und Beobachter des Kindes. Die Erziehungs- und Lehrtätigkeit erfolgt indirekt, mit dem Ziel, das Kind unabhängig vom Erwachsenen zu machen.

Die Aufgaben der Pädagogischen Mitarbeiterinnen der Katholischen Grundschule Petersdorf lassen sich daher wie folgt zusammenfassen:

Mit dem Verständnis der Montessori Pädagogik:
die Umgebung des Kindes vorzubereiten und ständig zu erweitern.
für eine vertrauensvolle und liebevolle Atmosphäre ist zu sorgen.
das Kind sorgfältig in die Arbeit mit dem Material einzuführen – damit es unabhängig wird.
Zurückhaltung zu üben und das Kind genau zu beobachten.
das Kind zur Selbsttätigkeit und zur Selbstständigkeit zu erziehen.
für Ordnung zu sorgen, Regeln zu beachten und Störungen zu beseitigen.

Die pädagogischen Mitarbeiterinnen haben gerade in der Freiarbeit eine besondere Rolle: sie beobachten, unterstützen und helfen sehr individuell.
Die Leitlinie der Arbeit lautet:

„Hilf mir, es selbst zu tun!“

 

 

 

4. Vorhandenes Montessori - Material

Rahmen mit verschiedenen Verschlüssen
Wassergießen
Sortierübungen
Rosa Turm
Braune Treppe
Einsatzzylinder
Farbige Zylinder
Korb mit Stoffen
Geräuschdosen
Geruchsgläser
Geometrische Körper
Numerische Stangen
Sandpapierziffern
Spindeln mit Spindelkasten
Ziffern und Chips
Hunderterbrett
Multiplikationsbrett
Sandpapierbuchstaben
Bewegliches Alphabet
Puzzlekarte Deutschland
Puzzlekarte Europa

5. Abschlussgedanken

Es ist notwendig, dass Kinder lernen, wie sie sich Wissen selber aneignen können. Sie müssen auf das Leben in unserer sich immer rascher verändernden Gesellschaft vorbereitet werden. Zu wissen, wie man lernt, ist heute eine wichtige Schlüsselqualifikation. Schon der im 4. Jahrhundert vor Christus lebende chinesische Philosoph Lao Tse erkannte damals:

„Sag` es mir,
und ich werde es vergessen.
Zeige es mir,
und ich werde mich daran erinnern.
Beteilige mich,
und ich werde es verstehen.

Hier schließt sich für uns das Prinzip der Montessori Pädagogik:

„Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“.

Viele Alltags- und Schuleindrücke finden in der „Freiarbeit“ Möglichkeiten zur Verarbeitung. Das pädagogische Konzept für die Betreuung ist eine wertvolle Ergänzung zum Unterricht, weil es die ganzheitliche Sichtweise auf die Kinder abrundet. Kinder entwickeln mit ihren vielfältigen Interessen und Ideen durch die „vorbereitete Umgebung“ eine Eigendynamik. Die Lern- und Leistungs-
fähigkeit wird gesteigert, die Sozialkompetenz erweitert, Ausdauer, Konzentration und Belastbarkeit werden erhöht. Auch hier leben die Kinder nach dem Motto der Katholischen Grundschule Petersdorf „Miteinander leben – voneinander lernen“.

Erarbeitet im September 2001; weiterentwickelt Mai 2004, Januar 2007

zurück